DOREEN UHLIG + MIRKO WINKEL


CORRESPONDANCE / BEZIEHUNGEN

Performance / Toninstallation


Eine Nuit Blanche (ähnlich der Langen Nacht der Museen) ist nicht nur ein gigantischer Versuch, eine Stadt
eine ganze Nacht lang kulturell zu unterhalten – sie ist auch eine Ansammlung individueller Körper, die wach
bleiben, um das Geschehen am Laufen zu halten.

Ein Hauptpunkt der Performance liegt in der Untersuchung des Körpers – eines Körpers, der sich verhält und
der zu entgleisen droht innerhalb seiner sozialen, biologischen, artifiziell gesetzten Bedingungen.

Eine Reihe mit 9 Stühlen war am Rand des Veranstaltungsorts positioniert. So den ganzen Raum im Blick
habend, saßen beide Performer mit wechselndem Publikum. Dieser Stuhlreihe gegenüber, auf der anderen
Seite des Raumes, befanden sich weitere 9 Sitzmöglichkeiten, die mit jeweils einem Kopfhörer ausgestattet
waren. Zwischen beiden Stuhlreihen fanden 5 Performances anderer Ausstellungsteilnehmer statt.

Während der 6-stündigen Performance beobachteten die Performer das Geschehen.
60 Stunden lang hatten sie sich zuvor den Schlaf entzogen. Unter den drastischen physischen Bedingungen
des Schlafentzugs und dem zwangsläufig damit einhergehenden Kontrollverlust führten sie Gespräche: über
die konkrete Situation, über Performance-Kunst, über die Schlaflosigkeit, über das Scheitern, über das Glück
der Arbeit.





Was zunächst als Gespräch zwischen den Performern begann, weitete sich bald zu Gesprächen mit dem
Publikum aus. Getragen von der Schlaflosigkeit bzw. dem Wissen um die Schlaflosigkeit des Gegenübers,
dachte man laut, beschrieb, dozierte, kritisierte, stammelte, proklamierte, verstummte.

Sichtbar an der Kleidung angebrachte Mikrofone übermittelten dabei die Gespräche, wie auch das Schweigen,
zu den auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes Sitzenden. Dort wurden die sich vermischenden
Stimmen mittels der Kopfhörer wie ein mehrstimmiger Kommentar auf das gerade zu erlebende Performance-
Event vernehmbar.






I could say that it is profoundly in relation with a sensibility, difficult to describe with words.
Daniel Caux



Insomnia / Nuit Blanche
kuratiert von Marina Abramovic

Le Générateur, Paris
10/2007